
Warum wir keine Consultants mehr sind – Behind the Scenes einer Umbenennung
TL;DR: „Wir haben 'Consultant' aus unseren Titeln gestrichen – nicht weil der Begriff falsch war, sondern weil 'Builder' ehrlicher beschreibt, was wir tun."
— Till Freitag"Executive Solution Consultant" – und niemand weiß, was du machst
Neulich auf einer Konferenz. Smalltalk. "Und was machst du so?" – "Ich bin Executive Solution Consultant." Stille. Dann: "Also... Unternehmensberatung?"
Nein. Nicht wirklich. Aber der Titel machte es unmöglich, das in einem Satz zu erklären.
Das war einer der Momente, in denen klar wurde: Unsere Titel passen nicht mehr zu dem, was wir tun.
Das Problem mit "Consultant"
Der Begriff "Consultant" trägt Ballast. Jahrzehnte davon.
Was die meisten unter "Consultant" verstehen:
- PowerPoint-Schlachten mit 80-seitigen Decks
- Tagessätze ohne greifbare Deliverables
- Empfehlungen aussprechen, aber nicht umsetzen
- Distanz zum Ergebnis – "wir beraten, ihr implementiert"
Was wir tatsächlich tun:
- Systeme bauen, die am nächsten Tag live gehen
- Prozesse nicht nur analysieren, sondern automatisieren
- AI-Workflows implementieren, nicht nur präsentieren
- Verantwortung für das Ergebnis übernehmen, nicht nur für die Empfehlung
Die Lücke zwischen dem, was "Consultant" suggeriert, und dem, was wir liefern, wurde immer größer. Irgendwann war sie nicht mehr tragbar.
Die Abwägung – Behind the Scenes
Titel ändern klingt trivial. Ist es nicht. Wir haben das intern kontrovers diskutiert. Hier ist, was auf dem Tisch lag.
Was für "Builder" spricht
Markenfit. Wir positionieren uns als "AI First Builders". Wenn unsere Marke "Builder" sagt, aber unsere Titel "Consultant" – dann stimmt etwas nicht.
Macher-Signal. "Builder" signalisiert: Wir reden nicht nur, wir bauen. Das ist kein Marketing – es beschreibt unseren Arbeitstag. Jeden Tag.
Cofounder Mindset. Unser Anspruch ist es, wie Mitgründer zu denken – nicht wie externe Berater. Builder passt zu dieser Haltung. Consultant nicht.
Klarheit. "Executive Software Builder" – da weiß jeder sofort: Die Person baut Software. "Executive Software Consultant" – da denkt jeder an Folien.
Was dagegen sprach
Enterprise-Procurement. Große Unternehmen suchen in Ausschreibungen nach "Consulting-Dienstleistungen". "Builder" steht in keinem Procurement-Framework.
LinkedIn-Karrierepfade. "Consultant" ist ein etablierter Karrieretitel. Recruiter suchen danach. "Builder" ist... unkonventionell.
Kunden-Erwartungen. Manche Kunden buchen bewusst "Beratung". Wenn wir uns "Builder" nennen, könnte das Fragen aufwerfen: "Beraten die uns überhaupt noch?"
Warum wir es trotzdem gemacht haben
Die Gegenargumente waren valide. Aber sie alle hatten eines gemeinsam: Sie optimieren für das System, nicht für die Wahrheit.
Wir wollen keine Titel tragen, die gut in Ausschreibungen passen, aber nicht beschreiben, was wir tun. Das wäre genau die Art von Corporate-Theater, die wir bei unseren Kunden auflösen.
Was "Builder" für uns bedeutet
Ein Missverständnis vorweg: Builder heißt nicht "nur Code schreiben".
Builder heißt: Lösungen bauen. End-to-end. Von der Strategie bis zur Umsetzung.
- Ein Builder versteht das Geschäftsproblem und baut die Lösung.
- Ein Builder wartet nicht auf ein Pflichtenheft, sondern definiert den Scope selbst.
- Ein Builder denkt in Ergebnissen, nicht in Stunden.
- Ein Builder übernimmt Ownership – nicht nur für den Prozess, sondern für das Resultat.
Strategie + Execution in einer Person. Das ist der Kern.
Was sich konkret geändert hat
- Team-Seite: Alle Titel aktualisiert – "Executive Software Builder", "Executive Automation Builder", etc.
- Blog-Autoren: Konsistente Builder-Bezeichnungen
- Meeting-Seiten: Aktualisierte Rollen-Beschreibungen
- Karriereseite: Neue Stellenanzeigen mit Builder-Titeln
Aber die wichtigste Änderung ist keine technische. Es ist das Signal nach innen: Wir erwarten von jedem im Team, dass er oder sie baut – nicht berät. Nicht präsentiert. Nicht analysiert. Baut.
Builder heißt nicht: alle machen das Gleiche
Nicht alle im Team tragen "Builder" im Titel – und das ist Absicht.
Manche Rollen haben einen klaren Schwerpunkt auf strategischer Beratung: Lösungsarchitektur, Stakeholder-Alignment, Entscheidungsfindung. Für diese Rollen nutzen wir bewusst den Titel "Adviser" – zum Beispiel "Executive Solution Adviser".
Der Punkt ist nicht das einzelne Wort. Der Punkt ist Ehrlichkeit. Wer primär Software baut, ist Builder. Wer primär Lösungsstrategien baut, ist Adviser. Beides ist gleichwertig – es sind unterschiedliche Schwerpunkte im selben Team, keine Hierarchie.
Builder war nie als Dogma gedacht. Es war ein Statement gegen leere Titel. Und genau deshalb wäre es falsch, alle über einen Kamm zu scheren. Wenn der Titel nicht beschreibt, was du wirklich tust, haben wir nichts gewonnen.
Die Zukunft gehört den Buildern
Die Consulting-Industrie hatte ihre Zeit. Jahrzehnte lang war "Beratung" ein Synonym für Expertise. Aber in einer Welt, in der AI Analysen in Sekunden liefert und Implementierung der wahre Engpass ist, verschiebt sich der Wert.
Weg von: "Wir sagen euch, was ihr tun sollt." Hin zu: "Wir bauen es mit euch – und zwar jetzt."
Die Zukunft gehört nicht denen, die beraten. Sie gehört denen, die bauen.
Und genau deshalb sind wir keine Consultants mehr. Wir sind Builder.






