
monday.com als Company OS: Wie wir Projekte, CRM und Prozesse über eine Plattform steuern
TL;DR: „Ein Tool für alles klingt naiv. Ist es aber nicht – wenn du es als Betriebssystem denkst statt als Projektmanagement-Tool."
— Till FreitagDas Problem: Tool-Chaos als Normalzustand
Die meisten Unternehmen unserer Größe haben einen Stack, der so aussieht:
- Projektmanagement: Asana oder Jira
- CRM: Salesforce oder HubSpot
- Docs: Notion oder Confluence
- Kommunikation: Slack + E-Mail
- Reporting: Google Sheets oder Looker
- Prozesse: irgendwo in Notion dokumentiert, von niemandem gelesen
Das Ergebnis: 6+ Tools, 6+ Logins, 6+ Orte, an denen Informationen liegen. Niemand weiß genau, wo was steht. Daten werden manuell kopiert. Kontext geht verloren.
Wir haben uns dagegen entschieden.
Unsere These: Eine Plattform, richtig konfiguriert, schlägt 6 Spezialtools
Bei Till Freitag läuft alles über monday.com. Nicht weil es das beste CRM ist. Nicht weil es das beste Projektmanagement-Tool ist. Sondern weil es das beste Betriebssystem ist – eine Plattform, die sich an unsere Prozesse anpasst, statt uns an ihre.
Was wir über monday.com abbilden:
| Bereich | monday.com Produkt | Was wir damit machen |
|---|---|---|
| Projektmanagement | Work Management | Kundenprojekte, Sprints, Aufgaben-Tracking |
| Sales & CRM | monday CRM | Pipeline, Deals, Kontaktmanagement |
| Onboarding | Work Management | Checklisten für neue Teammitglieder und Kunden |
| Prozesse & SOPs | monday docs | Lebende Dokumentation statt tote Wikis |
| Reporting | Dashboards | Echtzeit-Überblick für Team und Management |
| Recruiting | Work Management | Bewerbungsprozess von Eingang bis Onboarding |
Layer 1: Projektmanagement – Das Fundament
Jedes Kundenprojekt hat ein eigenes Board. Klingt simpel, ist es auch. Die Magie liegt in der Standardisierung:
Unsere Board-Architektur:
- Gruppen nach Phasen: Discovery → Setup → Build → Launch → Support
- Status-Spalten mit klaren Definitionen (nicht "In Progress" als Catch-all)
- Personen-Spalten für Verantwortlichkeit – jede Aufgabe hat genau einen Owner
- Zeitschätzungen für Kapazitätsplanung
- Verbundene Boards (Connected Boards) zum CRM – jedes Projekt ist mit dem Deal verknüpft
Was wir NICHT machen:
- Keine Sub-Items als Haupt-Arbeitseinheit (werden zu schnell unübersichtlich)
- Keine 50-Spalten-Monster-Boards (maximal 8-10 relevante Spalten)
- Kein Board-pro-Kunde-Chaos – wir nutzen Templates
Das Ergebnis: Jeder im Team öffnet monday.com und weiß in 30 Sekunden, wo jedes Projekt steht. Ohne nachzufragen.
Layer 2: CRM – Sales ohne Salesforce
monday CRM ist nicht Salesforce. Und genau das ist der Punkt.
Für ein Team unserer Größe ist Salesforce Overkill – zu komplex, zu teuer, zu viel Admin-Aufwand. monday CRM gibt uns:
- Pipeline-Management mit klaren Stages und Wahrscheinlichkeiten
- Automatische Lead-Erfassung über Website-Formulare
- E-Mail-Integration – Kommunikation direkt im Deal
- Verknüpfung zum Projektmanagement – wenn ein Deal geschlossen wird, entsteht automatisch ein Projekt-Board
Der Zero-Update-Ansatz
Unser Ziel: Das CRM pflegt sich so weit wie möglich selbst. Wir nennen das intern "Zero Update CRM":
- Aktivitäten werden automatisch geloggt – E-Mails, Calls, Meetings
- Deal-Stages aktualisieren sich über Automatisierungen basierend auf Aktivitäten
- Erinnerungen nur wenn wirklich nötig – kein "Bitte CRM updaten"-Spam
Das Ergebnis: ~30 Minuten CRM-Pflege pro Woche statt Stunden.
Layer 3: Automations – Das unsichtbare Rückgrat
Die wahre Power von monday.com als OS liegt in den Automatisierungen. Hier einige unserer wichtigsten:
Interne Automations:
- Neuer Deal → Slack-Notification an das Team
- Status-Änderung → Automatische Zuweisung des nächsten Verantwortlichen
- Deadline überschritten → Eskalation an den Projektleiter
- Projekt abgeschlossen → Feedback-Formular automatisch versenden
Middleware-Verbindungen (via Make):
- Website-Formular → monday CRM – Leads landen automatisch als Deals
- Kalender-Event → Aktivitäts-Log im CRM
- monday Status-Änderung → Slack-Update in projekt-spezifischen Channels
Die Regel:
Wenn du etwas mehr als zweimal manuell machst, automatisiere es. Wenn die Automation mehr als 3 Schritte hat, nutze Make als Middleware.
Layer 4: Docs – Lebende Dokumentation
monday docs hat für uns Notion ersetzt. Warum?
- Kontext-nah: Docs leben direkt im Board, nicht in einem separaten Wiki
- Verlinkt: Ein Doc kann Items referenzieren und umgekehrt
- Einfach: Keine verschachtelten Datenbanken à la Notion – einfach Dokumente
Wir nutzen monday docs für:
- SOPs (Standard Operating Procedures) – wie wir Dinge tun
- Meeting Notes – direkt mit dem relevanten Projekt verknüpft
- Onboarding-Guides – für neue Teammitglieder und Kunden
- Entscheidungs-Protokolle – warum wir was entschieden haben
Layer 5: Dashboards – Ein Bild statt tausend Statusmeetings
Dashboards sind unser Ersatz für die meisten Status-Meetings. Wir haben drei Ebenen:
Team-Dashboard
- Kapazitätsauslastung pro Person
- Offene Tasks nach Priorität
- Anstehende Deadlines diese Woche
Projekt-Dashboard
- Status aller aktiven Projekte
- Budget vs. tatsächlicher Aufwand
- Risiko-Ampeln
Sales-Dashboard
- Pipeline-Value nach Stage
- Win Rate
- Forecast für die nächsten 3 Monate
Die Philosophie: Das beste Dashboard ist nicht das mit den meisten Diagrammen, sondern das, das Entscheidungen beschleunigt.
Warum nicht 6 Spezialtools?
Die offensichtliche Frage: Ist ein Spezialtool für CRM nicht besser als monday CRM? Ist Jira nicht besser für Dev-Projekte?
In der Theorie: ja. In der Praxis:
Der Integration Tax
Jedes zusätzliche Tool bringt:
- Einen weiteren Login
- Eine weitere Datenquelle
- Eine weitere Sync-Verbindung, die brechen kann
- Einen weiteren Onboarding-Aufwand für neue Teammitglieder
- Einen weiteren Ort, an dem sich Informationen verstecken
Die 80/20-Rechnung
monday CRM deckt 80% unserer CRM-Anforderungen ab. Die fehlenden 20% (z.B. fortgeschrittenes Forecasting) wiegen weniger schwer als der Integration Tax, den Salesforce mit sich bringen würde.
Unsere Faustregel: Solange ein monday.com Produkt 80% unserer Anforderungen abdeckt, nutzen wir es – und akzeptieren die 20% bewusst.
Die Grenzen – und wie wir damit umgehen
monday.com ist kein perfektes Tool. Hier sind die echten Grenzen:
- Komplexe Formeln: Für fortgeschrittene Berechnungen nutzen wir gelegentlich externe Sheets
- Große Datenmengen: Bei 10.000+ Items pro Board wird es langsam – wir archivieren regelmäßig
- Custom Integrations: Für spezifische API-Anbindungen brauchen wir Make oder Custom Code
- Echtzeit-Kommunikation: Dafür haben wir Slack – monday.com ist async
Die Rolle von AI im Company OS
2025 wird spannend, weil monday.com massiv in AI investiert:
- AI-gestützte Automations: Natürliche Sprache statt If-Then-Logik
- Smart Summaries: Automatische Zusammenfassungen von Board-Aktivitäten
- Predictive Insights: Projekt-Risiken erkennen, bevor sie eskalieren
Wir sehen monday.com zunehmend als Plattform, auf der AI-Agents arbeiten – nicht als passives Werkzeug, das Menschen bedienen.
Das Betriebssystem der Zukunft ist eines, in dem Agents auf den gleichen Boards arbeiten wie dein Team. monday.com hat das Potenzial, genau diese Plattform zu werden.
Fazit: Das OS-Mindset
Der wichtigste Shift ist nicht technisch, sondern mental:
Hör auf, monday.com als Projektmanagement-Tool zu betrachten. Betrachte es als dein Betriebssystem.
Das bedeutet:
- Alles hat einen Ort – wenn es nicht in monday.com steht, existiert es nicht
- Prozesse sind Boards – nicht Dokumente, die niemand liest
- Automatisierungen sind Infrastruktur – nicht Nice-to-have
- Dashboards ersetzen Meetings – nicht ergänzen
Für ein remote-verteiltes Team über 7 Länder ist das kein Luxus. Es ist Überlebensgrundlage.








