
Redesign-Serie Teil 2: Strategie – Positionierung, Zielgruppen und Content-Architektur
TL;DR: „Bevor eine Zeile Code geschrieben wurde, stand die wichtigste Frage: Wofür stehen wir eigentlich?"
— Till FreitagDies ist Teil 2 unserer Redesign-Serie. Teil 1: Warum ‚Arbeiten 2.0' ein neues Zuhause brauchte
Erst denken, dann designen
Die Versuchung ist groß: Neues Projekt, neues Tool, direkt loslegen. Farben wählen, Layouts bauen, Hero-Bilder generieren. Aber wenn du nicht weißt, wofür du stehst und für wen du baust, wird auch die schönste Website nur eine hübsche Hülle.
Deshalb haben wir den Stift zuerst auf Papier gesetzt – nicht auf Bildschirm.
Positionierung: Wer sind wir eigentlich?
Das Problem mit "Digitalberatung"
Sag jemandem, du machst "Digitalberatung" und beobachte, wie die Augen glasig werden. Der Begriff ist so breit, dass er nichts aussagt. Wir mussten schärfer werden.
Die ehrliche Antwort auf "Was macht ihr?" war immer dieselbe, egal ob beim Kunden oder auf dem Barcamp:
"Wir räumen digitales Chaos auf und bauen Systeme, die Leute tatsächlich benutzen wollen."
Daraus wurde unser Claim: Handwerker, Entrümpler, Architekt für digitales.
Drei Rollen, ein Versprechen:
- Handwerker – wir packen selbst an, konfigurieren, bauen, automatisieren
- Entrümpler – wir werfen raus, was nicht funktioniert, und vereinfachen
- Architekt – wir denken Systeme ganzheitlich, nicht in Insellösungen
AI First = People First
Der zweite Pfeiler unserer Positionierung: AI First = People First. Klingt erstmal wie ein Widerspruch, ist aber keiner. Wir glauben, dass KI-Tools den Menschen entlasten sollen – nicht ersetzen. Jede Automatisierung, die wir bauen, gibt jemandem Zeit zurück für die Arbeit, die wirklich zählt.
Zielgruppen: Für wen bauen wir diese Website?
Eine Website, die "für alle" ist, ist für niemanden. Wir haben drei konkrete Personas definiert:
1. Die Operations-Verantwortliche
Laura, 34, Head of Operations bei einem 80-Personen-Unternehmen.
Sie hat monday.com vor zwei Jahren eingeführt. Am Anfang lief es gut, jetzt ist das System gewachsen – und gewuchert. 47 Boards, keine Namenskonvention, drei verschiedene Workflows für denselben Prozess. Sie sucht jemanden, der Ordnung reinbringt, ohne alles neu aufzubauen.
Was sie auf unserer Website finden muss: Konkretes Know-how, Referenzen aus ihrer Welt, einen schnellen Weg zum Erstgespräch.
2. Der Geschäftsführer im Mittelstand
Marcus, 48, Geschäftsführer eines Industrieunternehmens mit 200 Mitarbeitenden.
Er weiß, dass "Digitalisierung" passieren muss, aber die letzte IT-Beratung hat 80 Slides produziert und null Ergebnisse. Er will jemanden, der macht statt redet. Pragmatisch, greifbar, ehrlich.
Was er auf unserer Website finden muss: Vertrauen, klare Sprache, kein Buzzword-Bingo. Und einen Menschen, nicht eine Agentur.
3. Die monday.com-Poweruserin
Sarah, 29, Team Lead, lebt in monday.com.
Sie kennt die Plattform besser als ihr IT-Team und sucht nach Advanced-Tipps: Custom Automations, API-Integrationen, Make-Szenarien. Sie liest Blogposts, schaut Webinare und ist in der Community aktiv.
Was sie auf unserer Website finden muss: Deep-Dive-Content, technische Guides, Community-Zugang.
Content-Architektur: Alles hat seinen Platz
Mit klaren Zielgruppen konnten wir die Seitenstruktur ableiten. Nicht "was können wir zeigen?", sondern "was sucht wer?".
Die vier Säulen
Unsere Services haben wir in vier Pillars organisiert – jeder mit eigener Farbcodierung und eigener Zielgruppen-Ansprache:
| Pillar | Fokus | Primäre Persona |
|---|---|---|
| monday.com | Beratung, Setup, Optimierung | Laura & Marcus |
| CRM & Sales | monday CRM, Migrationen | Marcus |
| People & Processes | Change Management, Workflows | Laura |
| Tech &Tic | Custom Apps, Integrationen, AI | Sarah |
Content-Typen und ihre Aufgaben
Nicht jeder Content hat dieselbe Aufgabe. Wir haben bewusst verschiedene Formate für verschiedene Phasen der Customer Journey:
- Landingpages → Awareness & Conversion ("Was macht ihr?")
- Blogartikel → Education & SEO ("Wie geht das?")
- Use Cases → Vertrauen & Referenz ("Habt ihr das schon gemacht?")
- Webinare → Lead Generation ("Kann ich das sehen?")
- FAQ → Objection Handling ("Was kostet das?")
Die Entscheidung gegen ein CMS
Ein kontroverser Move: Wir haben uns gegen ein klassisches CMS entschieden. Kein WordPress, kein Strapi, kein Contentful. Stattdessen: Markdown-Dateien direkt im Code-Repository.
Warum?
- Keine Abhängigkeit von externen Systemen
- Versionierung über Git – jede Änderung ist nachvollziehbar
- Geschwindigkeit – kein API-Call, kein Laden, alles wird beim Build kompiliert
- Developer Experience – Content und Code leben zusammen
Für ein Team unserer Größe ist das perfekt. Für ein 50-köpfiges Marketing-Team wäre es das nicht. Context matters.
Das Learning: Strategie ist kein Luxus
Es ist verlockend, Strategie als "nettes Extra" abzutun und direkt ins Bauen zu springen. Aber die zwei Wochen, die wir in Positionierung, Personas und Informationsarchitektur investiert haben, haben uns Monate an Umbau erspart.
Jede Design-Entscheidung, jeder Text, jede Seitenstruktur ließ sich gegen unsere Strategie validieren: Hilft das Laura, Marcus oder Sarah? Nein? Dann raus damit.
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