
monday.com Workflows Deep-Dive: Wenn Automatisierungen nicht mehr reichen
TL;DR: „Automatisierungen denken linear. Workflows denken in Verzweigungen – und genau das braucht ihr, sobald Prozesse über ein Board hinauswachsen."
— Till FreitagAutomatisierungen vs. Workflows – Was ist der Unterschied?
Wenn ihr unseren Automatisierungen Deep-Dive gelesen habt, kennt ihr die Grundformel: Wenn X passiert → dann mache Y. Das deckt 80 % der Anwendungsfälle ab. Aber was, wenn Y davon abhängt, ob eine bestimmte Bedingung erfüllt ist? Oder wenn ihr nach Y noch Z und danach A machen wollt – aber nur unter bestimmten Umständen?
Genau hier kommen monday.com Workflows ins Spiel.
| Automatisierungen | Workflows | |
|---|---|---|
| Logik | Linear (Wenn → Dann) | Verzweigt (If/Else, Multi-Step) |
| Schritte | 1 Trigger → 1 Aktion | 1 Trigger → n Aktionen mit Bedingungen |
| Scope | Pro Board | Boardübergreifend |
| Benennung | Keine Custom-Namen | Custom-Namen möglich |
| Verwaltung | Board-Einstellungen | Automation Hub |
| Fehlerbehandlung | Minimal | Erweitert (Logs, Retry) |
Kurz gesagt: Automatisierungen sind einzelne Wenn-Dann-Regeln. Workflows sind orchestrierte Prozessketten mit Verzweigungen, Bedingungen und mehreren Aktionen.
Wann braucht ihr Workflows?
Nicht jede Automatisierung muss ein Workflow sein. Aber hier sind die klassischen Signale:
- Euer Prozess hat Entscheidungspunkte: Genehmigung ja/nein, Budget über/unter Schwelle, Priorität hoch/niedrig
- Mehrere Boards sind involviert: Sales → Onboarding → Delivery
- Die Reihenfolge der Schritte zählt: Erst prüfen, dann zuweisen, dann benachrichtigen
- Ihr braucht bedingte Verzweigungen: Unterschiedliche Aktionen je nach Ergebnis
- Fehlerbehandlung ist kritisch: Was passiert, wenn ein Schritt fehlschlägt?
Anatomie eines Workflows
Ein monday.com Workflow besteht aus folgenden Bausteinen:
1. Trigger
Wie bei Automatisierungen: Das Ereignis, das den Workflow startet.
- Statusänderung
- Datum erreicht
- Element erstellt
- Formular eingereicht
- Webhook empfangen
2. Bedingungen (If/Else)
Der entscheidende Unterschied. Ihr könnt nach dem Trigger Verzweigungen einbauen:
Wenn Budgetanfrage eingereicht:
WENN Betrag < 5.000 €
→ Teamlead genehmigt
WENN Betrag >= 5.000 € UND < 25.000 €
→ Abteilungsleiter genehmigt
WENN Betrag >= 25.000 €
→ Geschäftsführung genehmigt3. Aktionen (Multi-Step)
Workflows erlauben mehrere aufeinanderfolgende Aktionen:
- Status ändern
- Person zuweisen
- Benachrichtigung senden
- Element in anderem Board erstellen
- Warten (Delay)
- Nächste Bedingung prüfen
4. Delays und Wartezeiten
Workflows können pausieren – ein Feature, das Automatisierungen nicht bieten:
- Warte 24 Stunden, dann prüfe ob Status sich geändert hat
- Warte bis Datum X, dann eskaliere
- Warte auf manuellen Input (Genehmigung), dann fahre fort
Praxis-Patterns: Workflows, die Teams wirklich nutzen
Pattern 1: Mehrstufiger Approval-Prozess
Trigger: Status = "Genehmigung angefragt"
IF Betrag < 1.000 €
→ Auto-Approve
→ Status = "Genehmigt"
→ Benachrichtigung an Antragsteller
ELSE IF Betrag < 10.000 €
→ Weise Teamlead zu
→ Sende Approval-Request
→ WAIT für Statusänderung
IF Status = "Genehmigt"
→ Erstelle Bestellung in Procurement-Board
IF Status = "Abgelehnt"
→ Benachrichtige Antragsteller mit Begründung
ELSE
→ Weise CFO zu
→ Eskalations-Flag setzenPattern 2: Client Onboarding Pipeline
Trigger: Deal in CRM-Board auf "Won" gesetzt
Schritt 1: Erstelle Projekt in Delivery-Board
Schritt 2: Kopiere Kontaktdaten aus CRM
Schritt 3: Erstelle 8 Unterelemente aus Onboarding-Template
Schritt 4: Weise Customer Success Manager zu
IF Dealwert > 50.000 €
→ Weise Senior CSM zu
→ Erstelle Executive Review in Quartalsplanung
→ Slack-Nachricht an #enterprise-wins
ELSE
→ Weise Standard-CSM zu
→ Automatische Willkommens-E-Mail
Schritt 5: Setze Kickoff-Datum (Deal-Datum + 5 Werktage)
Schritt 6: Benachrichtige alle StakeholderPattern 3: Content-Produktion mit Review-Schleifen
Trigger: Content-Element erstellt
→ Weise Autor zu
→ Setze Deadline (Heute + 5 Tage)
→ WAIT bis Status = "Review Ready"
→ Weise Reviewer zu
→ WAIT 48h
IF Status = "Approved"
→ Verschiebe in "Ready to Publish"
→ Erstelle Social-Media-Tasks
→ Setze Publish-Datum
IF Status = "Revision Needed"
→ Zurück an Autor
→ Neue Deadline (Heute + 2 Tage)
→ Loop (max. 3 Revisionen)
IF nach 3 Revisionen nicht approved
→ Eskalation an Content LeadPattern 4: IT-Incident-Management
Trigger: Incident gemeldet (Element erstellt)
→ Starte Timer
→ Klassifiziere Severity automatisch (basierend auf Formular-Input)
IF Severity = Critical
→ Benachrichtige On-Call-Team (Slack + SMS via Twilio)
→ Erstelle War-Room-Channel
→ Status = "Active Incident"
→ WAIT für Resolution
IF Severity = High
→ Weise Senior Engineer zu
→ SLA-Deadline: 4 Stunden
→ WAIT für Resolution oder SLA-Breach
IF Severity = Medium/Low
→ In Backlog-Gruppe verschieben
→ Weise im Rotation-Prinzip zu
NACH Resolution:
→ Stoppe Timer
→ Erstelle Post-Mortem-Element
→ Benachrichtige StakeholderDer Automation Hub als Workflow-Zentrale
Alle Workflows werden zentral im Automation Hub verwaltet – derselbe Hub, den ihr auch für einfache Automatisierungen kennt. Der Unterschied: Workflows haben hier erweiterte Funktionen:
- Visuelle Darstellung des Workflow-Graphen mit Verzweigungen
- Laufhistorie pro Workflow: Welcher Pfad wurde genommen, welche Aktionen ausgeführt?
- Fehlerprotokolle: Wo ist ein Workflow stecken geblieben?
- Aktionsverbrauch: Workflows verbrauchen mehr Aktionen als einfache Automatisierungen – der Hub zeigt euch den Impact
Workflow-Limits und Aktionsverbrauch
Wichtig zu verstehen
Ein Workflow mit 5 Aktionen verbraucht 5 Aktionen pro Durchlauf – nicht 1. Das summiert sich:
| Szenario | Durchläufe/Monat | Aktionen/Durchlauf | Gesamt |
|---|---|---|---|
| Einfache Automatisierung | 500 | 1 | 500 |
| Approval-Workflow | 200 | 4 | 800 |
| Onboarding-Workflow | 50 | 8 | 400 |
| Incident-Workflow | 100 | 6 | 600 |
| Summe | 2.300 |
Aktuelle Limits (Stand März 2026)
| Plan | Aktionen pro Monat |
|---|---|
| Standard | 250 |
| Pro | 25.000 |
| Enterprise | 250.000 |
⚠️ Tipp: Auf dem Standard-Plan sind Workflows praktisch nicht nutzbar. Pro ist das Minimum für Teams, die ernsthaft mit Workflows arbeiten wollen.
Best Practices
- Startet mit dem Happy Path: Baut erst den Idealablauf, dann die Ausnahmen
- Dokumentiert jeden Workflow: Custom-Namen nutzen, Zweck und Owner im Automation Hub hinterlegen
- Überwacht den Aktionsverbrauch: Besonders bei Multi-Step-Workflows kann der Verbrauch schnell steigen
- Testet in Sandbox-Boards: Workflows sind schwerer zu debuggen als einzelne Automatisierungen
- Setzt Delays bewusst ein: Zu viele Wartezeiten machen Workflows unberechenbar
- Begrenzt die Verschachtelungstiefe: Maximal 3 Ebenen If/Else – darüber wird es unwartbar
Wann reichen auch Workflows nicht mehr?
Workflows sind mächtig, aber sie haben Grenzen:
- Kein Loop-Konstrukt: Echte Schleifen über Datensätze sind nicht möglich
- Kein externer API-Call: Workflows können keine REST-APIs direkt ansprechen
- Keine Datentransformation: JSON-Parsing, Berechnungen über Formeln hinaus
- Kein Error-Handling mit Retry: Fehlgeschlagene Schritte werden nicht automatisch wiederholt
Wenn ihr an diese Grenzen stoßt, ist der nächste Schritt eine Middleware wie Make oder n8n. Für den Einstieg empfehlen wir unseren Make.com Automatisierung Guide oder den n8n Best Practices Guide.
Fazit: Workflows sind der Reifegrad-Indikator eurer Prozesse
Wenn ein Team anfängt, Workflows statt einzelner Automatisierungen zu bauen, ist das ein gutes Zeichen: Es bedeutet, dass eure Prozesse strukturiert genug sind, um sie als Flussdiagramm abzubilden – und komplex genug, dass lineare Wenn-Dann-Regeln nicht mehr reichen.
Workflows sind kein Ersatz für Automatisierungen. Sie sind die nächste Stufe. Und wenn auch Workflows an ihre Grenzen stoßen, sind Make und n8n der natürliche Übergang – kein Bruch, sondern eine Erweiterung.
Ihr wollt eure Prozesse als Workflows abbilden, wisst aber nicht wo anfangen? Bucht einen Workshop mit uns – wir analysieren eure Abläufe und bauen die ersten Workflows gemeinsam. 🚀






