Verzweigter Workflow-Graph als Symbol für monday.com Workflows mit If/Else-Logik

    monday.com Workflows Deep-Dive: Wenn Automatisierungen nicht mehr reichen

    Till FreitagTill Freitag5. März 2026Aktualisiert: 8. März 20265 min Lesezeit
    Till Freitag

    TL;DR: „Automatisierungen denken linear. Workflows denken in Verzweigungen – und genau das braucht ihr, sobald Prozesse über ein Board hinauswachsen."

    — Till Freitag

    Automatisierungen vs. Workflows – Was ist der Unterschied?

    Wenn ihr unseren Automatisierungen Deep-Dive gelesen habt, kennt ihr die Grundformel: Wenn X passiert → dann mache Y. Das deckt 80 % der Anwendungsfälle ab. Aber was, wenn Y davon abhängt, ob eine bestimmte Bedingung erfüllt ist? Oder wenn ihr nach Y noch Z und danach A machen wollt – aber nur unter bestimmten Umständen?

    Genau hier kommen monday.com Workflows ins Spiel.

    Automatisierungen Workflows
    Logik Linear (Wenn → Dann) Verzweigt (If/Else, Multi-Step)
    Schritte 1 Trigger → 1 Aktion 1 Trigger → n Aktionen mit Bedingungen
    Scope Pro Board Boardübergreifend
    Benennung Keine Custom-Namen Custom-Namen möglich
    Verwaltung Board-Einstellungen Automation Hub
    Fehlerbehandlung Minimal Erweitert (Logs, Retry)

    Kurz gesagt: Automatisierungen sind einzelne Wenn-Dann-Regeln. Workflows sind orchestrierte Prozessketten mit Verzweigungen, Bedingungen und mehreren Aktionen.

    Wann braucht ihr Workflows?

    Nicht jede Automatisierung muss ein Workflow sein. Aber hier sind die klassischen Signale:

    • Euer Prozess hat Entscheidungspunkte: Genehmigung ja/nein, Budget über/unter Schwelle, Priorität hoch/niedrig
    • Mehrere Boards sind involviert: Sales → Onboarding → Delivery
    • Die Reihenfolge der Schritte zählt: Erst prüfen, dann zuweisen, dann benachrichtigen
    • Ihr braucht bedingte Verzweigungen: Unterschiedliche Aktionen je nach Ergebnis
    • Fehlerbehandlung ist kritisch: Was passiert, wenn ein Schritt fehlschlägt?

    Anatomie eines Workflows

    Ein monday.com Workflow besteht aus folgenden Bausteinen:

    1. Trigger

    Wie bei Automatisierungen: Das Ereignis, das den Workflow startet.

    • Statusänderung
    • Datum erreicht
    • Element erstellt
    • Formular eingereicht
    • Webhook empfangen

    2. Bedingungen (If/Else)

    Der entscheidende Unterschied. Ihr könnt nach dem Trigger Verzweigungen einbauen:

    Wenn Budgetanfrage eingereicht:
      WENN Betrag < 5.000 
         Teamlead genehmigt
      WENN Betrag >= 5.000  UND < 25.000 
         Abteilungsleiter genehmigt
      WENN Betrag >= 25.000 
         Geschäftsführung genehmigt

    3. Aktionen (Multi-Step)

    Workflows erlauben mehrere aufeinanderfolgende Aktionen:

    1. Status ändern
    2. Person zuweisen
    3. Benachrichtigung senden
    4. Element in anderem Board erstellen
    5. Warten (Delay)
    6. Nächste Bedingung prüfen

    4. Delays und Wartezeiten

    Workflows können pausieren – ein Feature, das Automatisierungen nicht bieten:

    • Warte 24 Stunden, dann prüfe ob Status sich geändert hat
    • Warte bis Datum X, dann eskaliere
    • Warte auf manuellen Input (Genehmigung), dann fahre fort

    Praxis-Patterns: Workflows, die Teams wirklich nutzen

    Pattern 1: Mehrstufiger Approval-Prozess

    Trigger: Status = "Genehmigung angefragt"
    
    IF Betrag < 1.000 €
      → Auto-Approve
      → Status = "Genehmigt"
      → Benachrichtigung an Antragsteller
    
    ELSE IF Betrag < 10.000 €
      → Weise Teamlead zu
      → Sende Approval-Request
      → WAIT für Statusänderung
        IF Status = "Genehmigt"
          → Erstelle Bestellung in Procurement-Board
        IF Status = "Abgelehnt"
          → Benachrichtige Antragsteller mit Begründung
    
    ELSE
      → Weise CFO zu
      → Eskalations-Flag setzen

    Pattern 2: Client Onboarding Pipeline

    Trigger: Deal in CRM-Board auf "Won" gesetzt
    
    Schritt 1: Erstelle Projekt in Delivery-Board
    Schritt 2: Kopiere Kontaktdaten aus CRM
    Schritt 3: Erstelle 8 Unterelemente aus Onboarding-Template
    Schritt 4: Weise Customer Success Manager zu
    
    IF Dealwert > 50.000 
       Weise Senior CSM zu
       Erstelle Executive Review in Quartalsplanung
       Slack-Nachricht an #enterprise-wins
    
    ELSE
       Weise Standard-CSM zu
       Automatische Willkommens-E-Mail
    
    Schritt 5: Setze Kickoff-Datum (Deal-Datum + 5 Werktage)
    Schritt 6: Benachrichtige alle Stakeholder

    Pattern 3: Content-Produktion mit Review-Schleifen

    Trigger: Content-Element erstellt
    
    → Weise Autor zu
    → Setze Deadline (Heute + 5 Tage)
    → WAIT bis Status = "Review Ready"
    
    → Weise Reviewer zu
    → WAIT 48h
    
    IF Status = "Approved"
      → Verschiebe in "Ready to Publish"
      → Erstelle Social-Media-Tasks
      → Setze Publish-Datum
    
    IF Status = "Revision Needed"
      → Zurück an Autor
      → Neue Deadline (Heute + 2 Tage)
      → Loop (max. 3 Revisionen)
    
    IF nach 3 Revisionen nicht approved
      → Eskalation an Content Lead

    Pattern 4: IT-Incident-Management

    Trigger: Incident gemeldet (Element erstellt)
    
    → Starte Timer
    → Klassifiziere Severity automatisch (basierend auf Formular-Input)
    
    IF Severity = Critical
      → Benachrichtige On-Call-Team (Slack + SMS via Twilio)
      → Erstelle War-Room-Channel
      → Status = "Active Incident"
      → WAIT für Resolution
    
    IF Severity = High
      → Weise Senior Engineer zu
      → SLA-Deadline: 4 Stunden
      → WAIT für Resolution oder SLA-Breach
    
    IF Severity = Medium/Low
      → In Backlog-Gruppe verschieben
      → Weise im Rotation-Prinzip zu
    
    NACH Resolution:
      → Stoppe Timer
      → Erstelle Post-Mortem-Element
      → Benachrichtige Stakeholder

    Der Automation Hub als Workflow-Zentrale

    Alle Workflows werden zentral im Automation Hub verwaltet – derselbe Hub, den ihr auch für einfache Automatisierungen kennt. Der Unterschied: Workflows haben hier erweiterte Funktionen:

    • Visuelle Darstellung des Workflow-Graphen mit Verzweigungen
    • Laufhistorie pro Workflow: Welcher Pfad wurde genommen, welche Aktionen ausgeführt?
    • Fehlerprotokolle: Wo ist ein Workflow stecken geblieben?
    • Aktionsverbrauch: Workflows verbrauchen mehr Aktionen als einfache Automatisierungen – der Hub zeigt euch den Impact

    Workflow-Limits und Aktionsverbrauch

    Wichtig zu verstehen

    Ein Workflow mit 5 Aktionen verbraucht 5 Aktionen pro Durchlauf – nicht 1. Das summiert sich:

    Szenario Durchläufe/Monat Aktionen/Durchlauf Gesamt
    Einfache Automatisierung 500 1 500
    Approval-Workflow 200 4 800
    Onboarding-Workflow 50 8 400
    Incident-Workflow 100 6 600
    Summe 2.300

    Aktuelle Limits (Stand März 2026)

    Plan Aktionen pro Monat
    Standard 250
    Pro 25.000
    Enterprise 250.000

    ⚠️ Tipp: Auf dem Standard-Plan sind Workflows praktisch nicht nutzbar. Pro ist das Minimum für Teams, die ernsthaft mit Workflows arbeiten wollen.

    Best Practices

    1. Startet mit dem Happy Path: Baut erst den Idealablauf, dann die Ausnahmen
    2. Dokumentiert jeden Workflow: Custom-Namen nutzen, Zweck und Owner im Automation Hub hinterlegen
    3. Überwacht den Aktionsverbrauch: Besonders bei Multi-Step-Workflows kann der Verbrauch schnell steigen
    4. Testet in Sandbox-Boards: Workflows sind schwerer zu debuggen als einzelne Automatisierungen
    5. Setzt Delays bewusst ein: Zu viele Wartezeiten machen Workflows unberechenbar
    6. Begrenzt die Verschachtelungstiefe: Maximal 3 Ebenen If/Else – darüber wird es unwartbar

    Wann reichen auch Workflows nicht mehr?

    Workflows sind mächtig, aber sie haben Grenzen:

    • Kein Loop-Konstrukt: Echte Schleifen über Datensätze sind nicht möglich
    • Kein externer API-Call: Workflows können keine REST-APIs direkt ansprechen
    • Keine Datentransformation: JSON-Parsing, Berechnungen über Formeln hinaus
    • Kein Error-Handling mit Retry: Fehlgeschlagene Schritte werden nicht automatisch wiederholt

    Wenn ihr an diese Grenzen stoßt, ist der nächste Schritt eine Middleware wie Make oder n8n. Für den Einstieg empfehlen wir unseren Make.com Automatisierung Guide oder den n8n Best Practices Guide.

    Fazit: Workflows sind der Reifegrad-Indikator eurer Prozesse

    Wenn ein Team anfängt, Workflows statt einzelner Automatisierungen zu bauen, ist das ein gutes Zeichen: Es bedeutet, dass eure Prozesse strukturiert genug sind, um sie als Flussdiagramm abzubilden – und komplex genug, dass lineare Wenn-Dann-Regeln nicht mehr reichen.

    Workflows sind kein Ersatz für Automatisierungen. Sie sind die nächste Stufe. Und wenn auch Workflows an ihre Grenzen stoßen, sind Make und n8n der natürliche Übergang – kein Bruch, sondern eine Erweiterung.

    Ihr wollt eure Prozesse als Workflows abbilden, wisst aber nicht wo anfangen? Bucht einen Workshop mit uns – wir analysieren eure Abläufe und bauen die ersten Workflows gemeinsam. 🚀

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