Work in Progress – das Till Freitag Manifest als lebendes Dokument

    Work in Progress: Warum dieses Manifest nie fertig ist

    Malte LenschMalte Lensch8. April 20263 min Lesezeit
    Till Freitag

    TL;DR: „Dieses Manifest ist nicht fertig. Wird es nie sein. Better done than perfect, Don't work for assholes, Imperfekt = Perfekt – drei Regeln, die alles zusammenhalten."

    — Till Freitag

    Dieses Manifest ist nicht fertig

    Es wird nie fertig sein.

    Und das ist der wichtigste Punkt von allen.

    Wer ein fertiges Wertesystem sucht, laminiert es und hängt es in den Flur. Wir schreiben unseres in Markdown, committen es in ein Repo und ändern es, wenn sich die Realität ändert.

    Ein Manifest, das sich nicht weiterentwickelt, ist kein Manifest. Es ist eine Grabinschrift.

    Regel #1: Better Done Than Perfect

    Wir haben diese Firma nicht gegründet, weil wir einen perfekten Plan hatten. Wir haben sie gegründet, weil wir angefangen haben.

    Das klingt nach Startup-Klischee. Ist es auch. Aber es ist trotzdem wahr.

    Perfektion ist der Feind jeder relevanten Arbeit. Nicht weil Qualität egal ist – sondern weil der Unterschied zwischen 80% und 100% oft drei Monate kostet und null Wirkung hat.

    Wir liefern bei 80%. Dann iterieren wir. In der Zeit, die andere für die letzten 20% brauchen, haben wir drei Versionen live getestet und wissen, was wirklich funktioniert.

    Das gilt für Code. Das gilt für Artikel. Das gilt für dieses Manifest.

    Regel #2: Don't Work for Assholes

    Ja, das ist eine echte Regel.

    Nein, sie steht nicht in unserem Arbeitsvertrag. Aber sie steht in jeder Entscheidung, die wir treffen.

    Wir arbeiten nicht mit Menschen zusammen, die andere schlecht behandeln. Nicht mit Kunden, die ihr Team anschreien. Nicht mit Partnern, die Druck durch Angst erzeugen. Nicht mit Firmen, deren Geschäftsmodell darauf basiert, andere auszubeuten.

    Das kostet uns Umsatz. Jedes Jahr. Bewusst.

    Weil kein Projekt es wert ist, morgens mit einem schlechten Gefühl aufzuwachen. Weil das Team, das wir aufgebaut haben, es verdient hat, mit anständigen Menschen zu arbeiten. Weil wir es können.

    „Don't work for assholes" ist kein Luxus. Es ist eine Investition in die Langlebigkeit des Teams.

    Regel #3: Imperfekt = Perfekt

    Diese Firma hat Ecken und Kanten. Unsere Prozesse sind nicht alle durchoptimiert. Unsere Website hat wahrscheinlich irgendwo einen Tippfehler.

    Und das ist ok.

    Imperfekt = Perfekt bedeutet nicht, dass uns Qualität egal ist. Es bedeutet, dass wir den Mut haben, Dinge zu zeigen, bevor sie glänzen. Es bedeutet, dass wir lieber ehrlich unfertig sind als poliert verlogen.

    Es bedeutet auch: Dieses Manifest wird sich ändern. Vielleicht kommen Punkt 09 und 10 dazu. Vielleicht streichen wir einen. Vielleicht schreiben wir nächstes Jahr alles um.

    Und das ist genau richtig so.

    Meta: Warum ein Manifest?

    Man könnte fragen: Wozu das alles? Macht doch einfach gute Arbeit und haltet die Klappe.

    Fair enough.

    Aber wir glauben, dass Transparenz einen Wert hat. Nicht für das Marketing – für uns selbst. Ein öffentliches Manifest ist ein Versprechen, das man nicht leise brechen kann.

    Wenn wir in einem Jahr gegen unsere eigenen Prinzipien handeln, kann jeder diesen Artikel ausgraben und sagen: „Ihr habt doch gesagt..."

    Und genau das ist der Punkt. Wir wollen rechenschaftspflichtig sein. Nicht gegenüber Investoren oder einem Board. Gegenüber uns selbst und den Menschen, mit denen wir arbeiten.

    Das ist Till Freitag

    Acht Prinzipien. Ein Betriebssystem. Work in Progress.

    Nicht perfekt. Nicht fertig. Aber echt.

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